Kannst du dir vorstellen, dass deine nächste Fortbildung komplett von einer KI geleitet wird? Genau das habe ich in meiner Lehrveranstaltung zur digitalen Bildung an der Universität Salzburg (Fachbereich Erziehungswissenschaften) ausprobiert.
Im Zentrum stand das Tool ElevenLabs. Damit kann man Stimmen sehr realistisch erzeugen – sogar die eigene. Ich habe zuerst gezeigt, wie ich meine Stimme klonen kann. Danach haben wir einen KI-Audio-Agenten namens „Thorsten“ (mit einer anderen Stimme
direkt in unser Zoom-Meeting eingebunden.
Am Anfang war Thorsten im Hintergrund. Er hat mitgehört und konnte auf Nachfrage Zusammenfassungen liefern oder zusätzliche Infos einbringen. Das hat schon gut funktioniert.
Dann haben wir einen Schritt weitergemacht: Mit einem angepassten Prompt wurde Thorsten plötzlich zum Leiter der Lehrveranstaltung. Er hat Fragen gestellt, Studierende direkt angesprochen und Diskussionen moderiert. Sogar Pausen hat er bewusst eingebaut und niemanden unterbrochen. Besonders spannend war für mich, dass wir gemeinsam überlegen mussten: Was macht eigentlich eine gute Lehrperson aus? Der Systemprompt musste nämlich entsprechend formuliert werden.
Die Reaktionen waren gemischt. Viele fanden es faszinierend – gleichzeitig aber auch ein bisschen unheimlich. Es wurde klar: Einer KI fehlen (noch) Aspekte wie echte Begeisterung, Humor oder ein feines Gespür für Menschen.
Gleichzeitig sehen viele großes Potenzial. So ein System ist immer verfügbar, hat unendlich Geduld und könnte zum Beispiel einspringen, wenn jemand krank ist.
Für mich bleibt eine zentrale Frage: Wie nah sind wir eigentlich daran, dass KI Teile von Lehre übernimmt? Die Werkzeuge dafür sind jedenfalls schon da. Und vielleicht geht es bald nicht nur um KI als Lehrperson – sondern auch um KI als Mitlernende, die eine Art „soziale“ Lernumgebung simulieren.