Live mit KI: Wenn aus Neugier gemeinsames Ausprobieren wird

Am 9. Juni 2026 trafen wir uns zur zweiten „Offenen Werkstatt“ im Erasmus+-Projekt AI_LEARN. Schon der Titel war Programm: Es ging nicht darum, fertige Antworten zu präsentieren, sondern gemeinsam auszuprobieren, was mit KI im Live-Einsatz heute bereits möglich ist – und wo es noch hakt.

Rund 25 bis 30 Teilnehmende aus Erwachsenenbildung, Medien, Verwaltung, Bibliotheken, Forschung und Organisationsentwicklung kamen online zusammen. Die Atmosphäre war neugierig, offen und angenehm experimentierfreudig. Niemand musste so tun, als würde schon alles perfekt funktionieren. Im Gegenteil: Gerade das gemeinsame Scheitern, Nachfragen und Weiterprobieren machte den Wert der Werkstatt aus. Ein ausführliches Protokoll findet sich hier.

Im Mittelpunkt standen Audio-KI-Agenten, Live-Transkription, lokale Meeting-Assistenten und erste Versuche mit KI-gestützter Simultanverdolmetschung. Vorgestellt und getestet wurden unter anderem TypeWhisper, Hedy, ElevenLabs, Vapi, Google AI Studio und der Zoom AI Companion. Besonders spannend war der Kontrast zwischen cloudbasierten Diensten, die oft sehr komfortabel sind, und lokalen Lösungen, die mehr Datensouveränität ermöglichen, dafür aber stärkere Geräte, Installationsrechte und etwas technische Geduld verlangen.

Ein Höhepunkt war die experimentelle KI-Simultanverdolmetschung in Zoom. Über ChatGPT und ein virtuelles Audiokabel wurde eine Übersetzung in den Dolmetschkanal eingespeist. Das Ergebnis war noch nicht perfekt: Es gab Abbrüche, überlagerte Stimmen und technische Feineinstellungen. Aber als Proof of Concept war der Moment eindrucksvoll. Man konnte spüren, wie nah manche Zukunftsszenarien bereits an der Praxis sind – und zugleich, wie wichtig gute Moderation, klare Gesprächsführung und technische Vorbereitung bleiben.

Immer wieder kamen auch die größeren Fragen zurück: Was bedeutet Transparenz, wenn ein Meeting transkribiert wird? Wie verändert sich eine Gruppe, wenn alle wissen, dass KI mithört? Welche Chancen bietet KI für Barrierefreiheit, etwa durch Untertitel, einfache Sprache oder Übersetzung? Und wo braucht es weiterhin unbedingt menschliche Expertise, etwa bei Gebärdensprache oder verlässlicher einfacher Sprache?

Ein Gedanke blieb besonders hängen: Vielleicht reicht „Human in the loop“ nicht aus. Vielleicht müssen wir auch stärker über „KI in the loop“ sprechen – also darüber, in welchem Rahmen, mit welcher Absicht und unter welchen Bedingungen KI überhaupt eingesetzt wird.

Am Ende war klar: Live-KI ist keine ferne Zukunft mehr. Sie ist bereits da, aber noch nicht glatt, nicht selbstverständlich und nicht immer zuverlässig. Genau deshalb braucht es solche Werkstätten. Räume, in denen man ausprobieren darf. Räume, in denen Technik nicht nur bewundert, sondern kritisch befragt wird. Und Räume, in denen aus individueller Neugier gemeinsames Lernen entsteht.

Die nächste Runde darf kommen.

P.S.: Ein herzliches Danke gilt auch unseren Kooperationspartnern im Erasmus+-Projekt AI_LEARN – insbesondere Tobias Albers-Heinemann und Lukas Spahlinger vom ZBG/EKHN sowie unserem französischen Partner Live Session. Ohne die gemeinsame Vorbereitung, die technische Neugier und die Offenheit fürs Experiment wäre diese Werkstatt nicht das geworden, was sie war: ein lebendiger Lernraum für alle Beteiligten.

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